
Die Datejust ist die Uhr, an die die meisten Menschen bei „Rolex" denken. Sie gehört auch zu den lohnendsten Vintage-Uhren, weil Rolex sie so lange und in so vielen Versionen gebaut hat. Zwei Uhren, die auf einem kleinen Foto gleich aussehen, können 20 Jahre auseinanderliegen, mit anderen Werken, Gläsern und Zifferblättern und ganz anderem Wert.
Dieser Ratgeber erklärt die Generationen, die Varianten von Zifferblatt und Lünette und was wir prüfen, bevor eine Datejust in unseren Shop kommt.
1945: ein Datum, das sich selbst umstellt
Rolex stellte die Datejust 1945 zum 40-jährigen Firmenjubiläum vor. Nach Rolex' eigenen Worten war sie der erste Armbandchronometer mit automatischem Aufzug, der das Datum in einem Fenster auf dem Zifferblatt anzeigt. Das erste Modell, Ref. 4467, hatte ein Gehäuse aus 18 Karat Gold, eine geriffelte Lünette und ein eigens dafür entworfenes fünfreihiges Band. Das Band wurde nach dem Jubiläum benannt: Jubilee.
Die Zyklop-Lupe über dem Datum kam in den 1950er-Jahren hinzu; sie erschien zuerst bei den Ref. 6304 und 6305 (die Quellen nennen 1953 oder 1954). Damit hatte die Datejust alle Merkmale, die sie bis heute hat.
Frühe Datejusts (Ref. 4467, 6305, 6605 und andere bis Ende der 1950er-Jahre) sind seltener und empfindlicher, und Teile sind schwerer zu bekommen. Wer eine Uhr zum Tragen sucht, beginnt meist mit den Referenzen danach.
Die Generationen im Überblick
| 4-stellig (ca. 1960 – Ende 1970er) | 5-stellig 160xx (1977–1988) | 162xx (1988 – ca. 2004) | |
|---|---|---|---|
| Stahlreferenzen | 1600 glatt, 1601 geriffelt, 1603 guillochiert | 16000, 16014, 16030; 16013 Bicolor | 16200, 16234, 16220; 16233 Bicolor |
| Kaliber | 1565, ab etwa 1965 1575 | 3035 | 3135 |
| Frequenz | 18.000, dann 19.800 A/h | 28.800 A/h | 28.800 A/h |
| Datumsschnellschaltung | Nein | Ja | Ja |
| Glas | Gewölbtes Acrylglas | Acrylglas | Saphirglas |
| Zifferblatt | Oft „Pie-Pan", später flach | Flach | Flach |
| Leuchtmasse | Tritium | Tritium | Tritium, ab etwa 1998 Luminova |
So liest man eine fünfstellige Referenz: Die letzte Ziffer nennt Lünette und Metall. 0 ist eine Stahllünette, 3 Stahl mit Gelbgold (Bicolor), 4 Stahl mit geriffelter Weißgoldlünette. Eine 16014 ist also eine Stahl-Datejust mit geriffelter Weißgoldlünette, eine 16013 eine Bicolor-Uhr mit Gelbgold.
Die vierstellige Datejust (1600, 1601, 1603)
Von etwa 1960 bis Ende der 1970er-Jahre baute Rolex die 36-mm-Stahl-Datejust in drei Hauptversionen, die sich in der Lünette unterscheiden:
- 1600: glatte, polierte Stahllünette. Die ruhigste der drei.
- 1601: geriffelte Lünette aus Weißgold (geriffelte Lünetten waren immer aus Edelmetall). Der klassische Datejust-Look und die am längsten gebaute der drei.
- 1603: guillochierte („engine-turned") Stahllünette mit feinen Schnitten rundherum. Sportlicher und heute seltener als die 1601.
Die „Bamboo"-Lünette: eine seltene frühe 1603
Eine kleine Zahl früher 1603 trägt eine andere Lünette mit dem Spitznamen „Bamboo". Sie ist nicht rundherum guillochiert: Die Lünette ist glatt, mit erhabenen, gerippten Abschnitten in regelmäßigen Abständen, die an die Knoten eines Bambusrohrs erinnern. Sammler- und Händlerquellen ordnen sie dem Beginn der 1603-Produktion zu, etwa 1959 bis 1962, und meist kommt sie mit silbernen Zifferblättern und Dauphine- oder Alpha-Zeigern. Weil sie so kurz gebaut wurde, ist eine 1603 mit originaler Bamboo-Lünette eine der selteneren Stahl-Datejusts. Die Uhr oben auf dieser Seite ist eine davon.

Was die vierstellige Datejust besonders macht
- Das Pie-Pan-Zifferblatt. Bei vielen dieser Zifferblätter fällt der äußere Rand ab wie bei einer Kuchenform. Das gibt Tiefe und verändert sich mit dem Licht. Der Wechsel zu flachen Zifferblättern kam schrittweise, nicht auf einen Schlag: Späte vierstellige Uhren aus der Mitte der 1970er-Jahre können originale flache Zifferblätter haben, und alle fünfstelligen Zifferblätter sind flach. Ein flaches Zifferblatt an einer späten 1601 oder 1603 ist also nicht automatisch ein Ersatz.
- Das gewölbte Acrylglas. Weicher, wärmer und spiegelnder als Saphir. Leichte Kratzer lassen sich auspolieren.
- Das Werk. Die vierstellige Datejust wurde fast zwei Jahrzehnte gebaut, entsprechend änderte sich das Werk. Frühe Uhren haben das Kaliber 1565 (18.000 Halbschwingungen pro Stunde). Ab etwa 1965 baute Rolex das Kaliber 1575 ein (19.800 A/h), und um 1972 kam ein Sekundenstopp hinzu (die Sekunde hält beim Ziehen der Krone an), ohne dass sich die Kalibernummer änderte. Lassen Sie sich von der Brücke nicht verwirren: Rolex verwendete dieselben gravierten Teile in der ganzen Familie, daher tragen viele Datumswerke „1560" oder „1570" auf der Brücke. Keines dieser Werke hat eine Datumsschnellschaltung; zum Verstellen des Datums dreht man die Zeiger über Mitternacht.
- Die Vielfalt. In diesen Jahren verwendete Rolex Pfeil- und Stabindizes, Alpha-, Dauphine- und Stabzeiger, glänzende und matte Zifferblätter, Leinenstruktur und viele Farben.
Gesuchte Zifferblätter
- Sigma-Zifferblätter (σ). In den 1970er-Jahren kennzeichnete eine Gruppe Schweizer Uhrenhersteller (über den Goldverband APRIOR) Zifferblätter, deren Indizes und Zeiger aus Gold waren. Auf Rolex-Zifferblättern sieht man zwei kleine griechische Sigmas links und rechts von „T SWISS T" bei 6 Uhr. Die Kennzeichnung war empfohlen, nicht vorgeschrieben, und wurde nur wenige Jahre genutzt; deshalb mögen Sammler sie.
- Leinen-Zifferblätter. Eine feine, gewebte Struktur, meist in Silber, Grau oder Champagner. Bei Tageslicht wunderschön.
- Frühe glänzende Zifferblätter mit goldfarbenem Aufdruck aus den ersten Jahren der Referenz.
- Frühe Zeiger. Dauphine- und Alpha-Zeiger gehören zu den frühen Jahren; die meisten späteren Uhren haben Stabzeiger.
Die fünfstellige Datejust (16000, 16014, 16030, 16013)
1977 führte Rolex das Kaliber 3035 ein: höhere Frequenz (28.800 A/h, also ein ruhigerer Lauf des Sekundenzeigers) und, erstmals bei der Datejust, eine Datumsschnellschaltung über die Krone. Das Zifferblatt wurde flach. Die 160xx-Referenzen behielten das Acrylglas; Saphirglas kam 1988 mit den 162xx-Referenzen und dem Kaliber 3135.

Für den Alltag ist die 160xx oft die kluge Wahl: einfacher einzustellen und zu warten, aber noch mit Tritium, schlankem Gehäuse und dem alten Band. Außerdem gibt es sie mit einem der ungewöhnlichsten Zifferblätter, die Rolex je in eine Datejust gesetzt hat.
Das „Boiler Gauge"-Zifferblatt
Das Boiler-Gauge-Zifferblatt hat stilisierte arabische Ziffern und einen inneren Ring, sodass es wie das Manometer eines Dampfkessels aussieht. Es findet sich in manchen 16014 der späten 1970er- und der 1980er-Jahre, in Weiß, Creme und anderen Farben. Produktionszahlen hat Rolex nie veröffentlicht. Sammler in Rolex-Foren beschreiben es als selten, aber polarisierend: Manche lieben es, andere bevorzugen das klassische Zifferblatt mit Stabindizes. Forenmitglieder berichteten von Verkäufen von 16014 mit Boiler-Gauge-Zifferblatt zwischen etwa 6.000 und 11.000 US-Dollar, je nach Zustand und Vollständigkeit.

Das Jubilee-Band: auf Längung achten

Fast jede Vintage Datejust kommt am Jubilee-Band, und das Band ist oft die Schwachstelle:
- Gefaltete Glieder. Vintage-Jubilees bestehen aus gefalteten (hohlen) Stahlgliedern; das frühe gefaltete Jubilee der Datejust trägt die Referenz 6251H auf der Schließe. Massive Glieder bekam das Jubilee erst in den 2000er-Jahren. Gefaltete Glieder sind leicht und angenehm, aber in ihnen sammelt sich Schmutz, und sie längen sich leichter.
- Längung. Sie entsteht durch Verschleiß zwischen den Stiften und Löchern jedes Glieds, nicht durch verbogenes Metall. Sehen Sie sich die Stifte genau an: Sind die Löcher darum oval ausgeschlagen, sitzen die Glieder locker und das Band hängt durch. Halten Sie die Uhr mit waagerechtem Band: Ein müdes Band hängt im Bogen durch, ein gutes bleibt fast gerade. Vorsicht bei Fotos: Glieder lassen sich zusammenschieben, um Längung zu verbergen. Starke Längung kann ein Spezialist verringern, aber neu wird das Band nicht mehr.
- Länge. Prüfen Sie, wie viele Glieder vorhanden sind und für welchen Handgelenkumfang das Band reicht. Zusätzliche Originalglieder sind schwer zu finden und teuer.
- Datumscodes. Rolex stempelte Datumscodes auf die Schließen. Eine Schließe, die zeitlich zur Uhr passt, ist ein gutes Zeichen, dass Uhr und Band von Anfang an zusammen waren.
Was wir vor dem Kauf einer Vintage Datejust prüfen
- Zifferblatt original, nicht überarbeitet. Überarbeitete Zifferblätter (Redials) zeigen oft weicheren Druck, eine falsche Schrift bei „Rolex", eine falsch geformte Krone oder Leuchtpunkte, die nicht zu den Zeigern passen. Rolex' eigene Service-Zifferblätter sind echte Teile, mindern aber den Sammlerwert.
- Zeiger und Leuchtmasse passen zusammen. Auf einem Tritium-Zifferblatt sollten die Zeiger Tritium in derselben Farbe und demselben Alter haben. Leuchtend weiße Luminova-Zeiger auf einem gealterten cremefarbenen Zifferblatt bedeuten getauschte Zeiger.
- Gehäuse unpoliert oder wenig poliert. Sehen Sie sich die Anstöße an: Scharfe Kanten und die Fase oben sollten noch sichtbar sein. Starkes Polieren macht die Anstöße dünn und die Kanten rund, und das lässt sich nicht rückgängig machen.
- Serien- und Referenznummer. Die Seriennummer ist zwischen den Anstößen bei 6 Uhr eingraviert, die Referenz bei 12 Uhr. Die Seriennummer datiert das Gehäuse ungefähr und sollte zu Zifferblatt und Werk passen.
- Werk. Fragen Sie nach der letzten Revision und dem Messergebnis. Diese Werke sind robust, aber eine volle Revision einer Vintage Rolex kostet einige hundert Euro.
- Box und Papiere. Originalpapiere steigern den Wert und erzählen vor allem die Geschichte der Uhr. Ein Full Set ist bei einer vierstelligen Datejust selten.

Preise 2026
Preis-Tracker geben für Stahlmodelle im Oktober 2026 ein klares Bild:
- 1601: im Schnitt etwa 4.700 US-Dollar (Schätzung von WatchCharts).
- 16014: im Schnitt etwa 5.900 US-Dollar (Schätzung von WatchCharts). Angebote auf Chrono24 reichen von etwa 4.700 bis 7.300 US-Dollar.
- 1603 mit seltenen Details (Bamboo-Lünette, frühe Zeiger, unpoliertes Gehäuse, Full Set) und 16014 mit besonderen Zifferblättern liegen über diesen Werten.
Bicolor- und Vollgoldmodelle haben ihren eigenen Markt. Wie immer zählen Zustand und Originalität mehr als die Referenznummer.
1601, 1603 oder 16014: welche?
- Nehmen Sie eine 1601, wenn Sie den klassischen Datejust-Look mit viel Vintage-Charakter möchten: gewölbtes Glas, geriffelte Weißgoldlünette, oft ein Pie-Pan-Zifferblatt.
- Nehmen Sie eine 1603, wenn Sie etwas Selteneres und Sportlicheres suchen, mit guillochierter Stahllünette, oder, als Sammler, mit der seltenen frühen Bamboo-Lünette.
- Nehmen Sie eine 16014, wenn die Uhr jeden Tag getragen wird: Datumsschnellschaltung, schnelleres Werk, und trotzdem eine echte Vintage Rolex mit Tritium-Zifferblatt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen der Rolex Datejust 1601 und 16014? Beide sind 36-mm-Datejusts aus Stahl mit geriffelter Weißgoldlünette. Die 1601 (etwa 1960 bis Ende der 1970er-Jahre) hat ein Kaliber 1565 oder 1575 ohne Schnellschaltung und ein gewölbtes Acrylglas. Die 16014 (1977–1988) hat das Kaliber 3035 mit Datumsschnellschaltung, eine höhere Frequenz und ein flaches Zifferblatt.
Was ist die „Bamboo"-Lünette der Rolex 1603? Eine seltene frühe Lünette der Stahl-Datejust 1603, gebaut etwa 1959 bis 1962. Statt rundherum guillochiert zu sein, ist sie glatt mit erhabenen, gerippten Abschnitten in Abständen, wie Bambus. Die meisten 1603 haben die normale guillochierte Lünette.
Welches Werk steckt in einer Rolex Datejust 1603? Das hängt vom Baujahr ab. Frühe 1603 haben das Kaliber 1565, ab etwa 1965 das Kaliber 1575, ab etwa 1972 mit Sekundenstopp. Die Brücke ist oft mit „1560" oder „1570" graviert, weil Rolex Teile innerhalb der Familie teilte.
Seit wann hat die Datejust ein Saphirglas? Seit den 162xx-Referenzen mit Kaliber 3135 ab 1988. Die 160xx-Referenzen (1977–1988), etwa die 16014, haben Acrylglas.
Was bedeutet ein Sigma (σ) auf einem Rolex-Zifferblatt? Dass Indizes und Zeiger aus Gold sind. Die beiden Sigmas neben „T SWISS T" wurden auf manchen Zifferblättern der 1970er-Jahre verwendet.
Ist eine Vintage Datejust eine gute Wertanlage? Stahl-Datejusts haben ihren Wert gut gehalten und lassen sich leicht wieder verkaufen. Am besten entwickelt haben sich seltene Zifferblätter, unpolierte Gehäuse und Full Sets. Kaufen Sie sie, weil Sie sie tragen möchten; der Wert ist ein Bonus.
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Quellen und weiterführende Literatur
- Rolex, Geschichte 1926–1945 (rolex.com): Vorstellung der Datejust und des Jubilee-Bands
- Monochrome Watches, The History of the Rolex Datejust (Referenzen, Kaliber 1565/1575, Sekundenstopp 1972, Zyklop bei 6304/6305, Acrylglas bis zur 160xx, Saphir ab der 16234)
- Bob's Watches, Rolex movements explained und Rolex sigma dial definition
- Fratello, Buying Guide: Finding The Right Vintage Rolex Datejust For You und New Collectors Beware (Längung, Revisionskosten, Polieren)
- BeckerTime, Quick comparison guide: Datejust 1600, 1601, 1603, 16000, 16014, 16030 und Rolex's rarest bezels (Bamboo-Lünette)
- Phillips-Losbeschreibungen zu Sigma-Zifferblättern
- WatchCharts-Preisschätzungen für 1601 und 16014 (Oktober 2026); Chrono24-Angebote für die 16014
- Rolex Forums, How rare is the boiler gauge Datejust?
- OmegaForums-Diskussion zum Kauf eines Vintage-Jubilee-Bands (versteckte Längung)
- Fratello, Legendary vintage bracelets: the Rolex Jubilee, und Bob's Watches, Ultimate guide to Rolex bracelets (gefaltetes Jubilee 6251H)
Bildnachweis: alle Uhrenfotos FRED's Watches. Grafik: FRED's Watches.